SCHON  0350BÄUME GEMELDET!


Die ältesten Bäume der Erde sind so alt wie die Pyramiden des alten Ägypten. Wie alt sind die ältesten Bäume in Schleswig-Holstein? Welche Geschichten können uns diese Bäume erzählen? Was haben Bäume mit unserem Altag zu tun? Hier gibt es Antworten, eine Anleitung zur Baumjagd und weitere Materialien zum Download.
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Baumwissen

Bäume sind faszinierende Lebewesen. Sie haben eine große ökologische und kulturhistorische Bedeutung. Wir stellen einige Fakten und Hintergründe vor.



Vom Alter der Bäume

Bäume gehören zu den Lebewesen, die das höchste Alter erreichen können. So zählen Grannen-Kiefern im Gebirge der White Mountains in Kalifornien mit über 4600 Jahren zu den ältesten Bäumen der Erde. In Mitteleuropa liegt das Rekordalter bei ca. 1000 bis 1500 Jahren. Die Altersbestimmung lebender Bäumen ist schwierig und die Angaben zum Alter einzelner Bäume schwanken in der Literatur zum Teil beträchtlich. Viele Angaben über besonders alte Bäume folgen historischen Quellen. Der Umfang und die Höhe eines Baumes sind von vielen Standortfaktoren abhängig und können somit nur als Anhaltspunkte für das Alter gewertet werden. Wie das mögliche Alter, so ist auch die mögliche Größe eines Baumes von der Baumart abhängig.

Eichen und Linden können bei vorsichtiger Schätzung älter als 600 Jahre, Kiefern, Weißtannen und Lärchen in Mitteleuropa ein Mindestalter von 400 bis 500 Jahren erreichen. Tausendjährige Eichen und andere tausendjährige Bäume kommen in Mitteleuropa nur sehr selten vor.

Zu den ältesten Bäumen in Schleswig-Holstein gehört die alte Eibe in Flintbek mit ungefähr 800 bis1000 Jahren. Auch die alte Linde in Bordesholm gehört mit ihren ca. 650 Jahren zu den alten Bäumen in Schleswig-Holstein.

Von den vielen Bäumen im Wald, in Gärten und Parks und in der freien Landschaft erreichen nur die wenigsten ihr biologisch mögliches Alter. Natürliche Ursachen wie Konkurrenz mit benachbarten Bäumen, Brand, Blitzschlag, Sturm und die Nutzung als Rohstoff oder Brennmaterial führen dazu, dass wirklich alte Bäume in der Landschaft selten geworden sind. Aufgrund ihrer langen Entwicklungszeit sind alte Bäume durch Nachpflanzungen kaum zu ersetzen.

Mit dieser Internetseite wollen wir die Schönheit alter Bäume, ihre Bedeutung für Mensch und Natur aufzeigen und faszinierende Baumbeispiele in Schleswig-Holstein präsentieren. Wir möchten für die Beschäftigung mit den Bäumen und für den Erhalt dieses Natur- und Kulturschatzes werben, wo immer es möglich ist.

Abbildungen:


1) bizarre Grannenkiefern in den White Mountains (Kalifornien)

2) alte Eibe in Flintbek, Schleswig-Holstein

3) alte Linde in Bordesholm, Schleswig-Holstein
Baumrekorde

Alte Bäume brechen Rekorde. So bindet bereits ein 100- jähriger Baum täglich ungefähr neun Kubikmeter Kohlendioxid und gibt gleichzeitig 19 Kubikmeter Sauerstoff ab. Damit ist der tägliche Sauerstoffbedarf von zehn Menschen gedeckt. Jährlich produziert er 100 kg Biomasse, darunter 55 kg Früchte, 40 kg Holz und 5 kg Wurzeln. Wollte man einen alten Baum und seine Leistung ersetzen, müssten ca. 2000 bis 2700 neue Bäume gepflanzt werden*1.
Alte Bäume sind häufig wahre Riesen. Die höchsten Bäume und weltweit zugleich die größten Lebewesen sind Küsten-Mammutbäume, die heute noch mit über 110 Meter hohen Exemplaren vertreten sind. In Mitteleuropa sind große Bäume 30 bis 50 Meter hoch. Der höchste Baum Deutschlands ist ein Nadelbaum. Die Douglasie ist 64 Meter hoch und steht im Stadtwald von Freiburg.
Während das Höhenwachstum der Bäume im Alter nachlässt, legen sie im Umfang weiter zu. Der dickste Baum der Erde steht in Mexiko. Sein Umfang beträgt fast 47 Meter. Die Umfänge unserer Bäume sind geringer. Als national bedeutsame Bäume werden vom Deutschen Baumarchiv* Bäume nach ihrem Umfang eingestuft. Danach sind national bedeutsam:

  • Linden über neun Meter Umfang
  • Stieleichen, Platanen, Mammutbäume und Schwarzpappeln mit über acht Meter Umfang
  • Weiden, Buchen, Ulmen, Esskastanien Sumpfzypressen, Urweltmammutbäume und geleitete Linden (Tanzlinden) mit über 6,5 Meter Umfang
  • Für weitere Arten wie Eschen, Ahorn und Rosskastanien werden geringere Umfänge bereits als national bedeutsam eingestuft. Obstbäume, Birken, Erlen und Hainbuche haben danach bereits ab vier Metern Umfang eine bemerkenswerte Größe.

Die Kattholzeiche in der Nähe von Perdöl hat einen Umfang von fast 13 Metern in einem Meter Höhe und gehört damit zu den dicksten Eichen in Deutschland. Sieben bis acht Erwachsene oder ungefähr zehn bis zwölf jüngere Kinder wären nötig, um diesen Baum zu umarmen. Bei ihr ist der Umfang wahrscheinlich nicht nur über das normale Dickenwachstum zustande gekommen. Die Verdickungen im Bereich des Stammfußes könnten Reaktionen des Baumes auf wiederholten Verbiss sein.

Bei Sturm und Wind sind Bäume mit ihren großen Baumkronen und ihren imposanten Höhen großen Hebelkräften ausgesetzt. Bäume besitzen daher stabile und starke Stämme und sind über mächtige Wurzeln gut im Boden verankert. Der Stammfuß ist vor allem bei freistehenden Bäumen mächtig, da hier besonders große Kräfte wirken. Bäume wachsen insbesondere an den Stellen stärker, wo hohe Spannungen und große Kräfte auftreten.

Für das Höhenwachstum investieren große Bäume einen erheblichen Teil ihrer Biomasse in Stützelemente und Stabilität. Doch diese „Investition“ lohnt sich für die Bäume. Sie wachsen weit über den Pflanzen des Bodens und der Strauchschicht und haben dadurch im Wettstreit um möglichst viel Licht einen Konkurrenzvorteil gegenüber den anderen Pflanzen. Diesen bleibt häufig nichts anderes übrig als den Bäumen auszuweichen. Das tun die klassischen Frühblüher, die im Frühjahr unsere Wälder so bunt machen, indem sie einen Hauptteil ihrer Lebensphase vor dem Laubaustrieb der über ihnen wachsenden Bäume absolvieren.

Abbildungen:


1) dem Himmel entgegen - Buche bei Neu Duvenstedt

2) Stieleiche mit einem besonders mächtigen Stammfuß - Kattholzeiche bei Perdöl

*1Denker & Stecher 1997: Alte Bäume in Dithmarschen
*2 Kühn & Kühn , Deutesche Baumarchiv, www.deutschesbaumarchiv.de

Bäume erkennen und bestimmen

Wer sich mit alten Bäumen beschäftigen möchte, der sollte die Baumart des jeweiligen Baumes erkennen können.

Zur Bestimmung der Bäume lassen sich verschiedene Merkmale untersuchen. Der einfachste Einstieg ist die Bestimmung über die Blätter. Im Herbst lässt sich die Bestimmung der Blätter mit der Untersuchung der auffälligen Früchte ergänzen.

Wer sich mit der Unterscheidung der Bäume gar nicht auskennt, für den bietet sich der Einstieg über häufige Arten wie Eiche, Buche, Linde, Kastanie und Ahorn an. Sie besitzen gut zu erkennende Blätter und darüber hinaus markante Früchte. Ihre Früchte - Kastanien, Bucheckern, Eicheln und die Propellerfrüchte von Linde und Ahorn - sind außerdem hervorragend zum Basteln mit Kindern geeignet. Bei der Baumerforschung mit jüngeren Kindern bieten sich als Baumuntersuchungsobjekte auch alte Apfel- und Birnbäume an.

In den Downloadmaterialien finden Sie als einfache Bestimmungshilfe eine Übersicht über die Blattformen der häufigsten großen Bäume und Steckbriefe zu einzelnen Baumarten. Wer Bäume sicher bestimmen möchte, benötigt dazu ein gutes Bestimmungsbuch. Hinweise zu Bestimmungsbüchern finden Sie in unseren Begleitmaterialien zur Baumjagd (siehe Download-Bereich).

Auch im Internet finden sich Bestimmungshilfen für Laubblätter, die sich auf wenige Bäume beschränken und auch für Kinder geeignet sind. Baumbestimmung für Kinder / Uni Frankfurt

Neben den Blättern und Früchten kann man die Bäume anhand von weiteren Merkmalen unterscheiden. Die Wuchsformen der Bäume, die Blüten, die Knospen und die Beschaffenheit der Rinde geben weitere wichtige Hinweise.

Abbildungen:


1) junge Blätter der Buche

2) markantes Blatt der Rosskastanie

3) charakteristische glatte Rinde der Buche

4) markante Rinde der Eiche

5) herbstliche „Baumfrüchtemischung“
Die Größe der Bäume messen, schätzen, berechnen

Bäume wachsen in die Höhe und in die Breite. Einige Arten wachsen in der Jugend besonders schnell. Im „reifen Alter“ wachsen Bäume vor allem in die Breite.

Deshalb ist ein dicker Baumstamm (gemessen als Umfang oder Durchmesser) ein guter Hinweis auf einen alten Baum.

Es gibt einige einfache Hilfsmittel, mit denen man die Größe der Bäume erforschen kann. Spannend ist, den Umfang und die Höhe der Bäume zu schätzen und hinterher zu messen.

Die einfachste Methode, um die „Dicke“ und damit das Alter des Baumes zu testen, ist die Baumumarmung. Ein Baum, den ein Erwachsener oder zwei jüngere Kinder nicht oder nur knapp umarmen können, ist kein junger Baum mehr. Wie viele Erwachsene oder Kinder sind wohl nötig sein, um eine alte Eiche oder eine alte Linde zu umfassen?

Auch das Messen des Umfanges ist denkbar einfach. Man muss nur wissen, auf welcher Höhe der Baum gemessen werden soll. Dazu gibt es verschiedene Methoden. Wir messen die Bäume in einem Meter Höhe. In dieser Höhe wird das Maßband gleichmäßig um den Stamm gelegt und die Länge am Maßband abgelesen. Bei wirklich dicken Stämmen ist es hilfreich, die Messung mit mehreren Personen durchzuführen. Andere Höhenmessungen, die noch gebräuchlich sind, sind die Messung bei 1,30 m und die Messung an der schmalsten Stelle.

Die Höhe des Baumes kann man mit dem Försterdreieck oder einer vom Försterdreieck abgeleiteten Scheibe mit Winkeleinteilung und Lot erforschen. Hinweise und eine einfache Bauanleitung gibt es in unserer Anleitung zur Baumjagd im Downloadbereich dieser Seite.

Wie der Blick auf eine Baumscheibe mit seinen Jahresringen zeigt, wachsen Bäume von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich in die Breite. Es gibt Jahre mit geringem Zuwachs und schmalen Jahresringen und Jahre mit großen Zuwächsen und breiten Jahresringen. Die Baumart, der Standort des Baumes und viele andere Faktoren haben Einfluss auf Zuwachs und Umfang. Deshalb kann man aus der Größe eines Baumes sein Alter leider nicht genau berechnen. Bei der Bewertung des Baumumfanges gilt: Ein dicker und großer Stamm gehört meistens zu einem alten Baum. Ein kleiner dünner Stamm kann ein junger Baum sein oder ein alter Baum, der nur sehr langsam gewachsen ist. Möglicherweise stand er lange im Schatten und ist deshalb nicht ausgewachsen.

Rund um die Größe und die Dimensionen der Bäume gibt es vieles zu erkunden und zu berechnen. Wie groß ist wohl die Krone (Durchmesser, Volumen) eines Baumes? Wie groß ist der Baum wohl noch unter der Erde? Im Mathematikunterricht lassen sich zum Beispiel Körper berechnen (Baumstämme) und der Strahlensatz anwenden (Baumhöhe). Wie groß ist wohl die Blattoberfläche eines Baumes?

Abbildungen:


1) dem Baumumfang auf der Spur

2) Peilung mit dem abgewandelten Försterdreieck

3) Jahresringe von Baumscheiben spiegeln die Lebensgeschichte der Bäume wieder
Tiere und Pflanzen rund um den Baum

Alte Bäume haben eine große Bedeutung für die biologische Vielfalt. Manche Greif- und Großvögel bauen wie auch andere Vogelarten in den ausladenden Kronen ihre Nester. Höhlenbrütende Vögel nutzen Baumhöhlen als Nistplatz. Auch Fledermäuse leben in den Baumhöhlen oder nutzen kleine Spalten und Hohlräume als Tagesverstecke. Besonders artenreich bevölkern die Kleinsttiere die Bäume. In den Höhlen alter Bäume baut die nützliche Hornisse ihre Nester. Viele stark gefährdete Käferarten unter den gut 800 Holzkäferarten Schleswig-Holsteins leben an altem Holz oder in den Baumhöhlen. Insbesondere Baumhöhlen und stehendes und gut besonntes Alt- und Totholz sind von herausragender ökologischer Bedeutung. Besonders wertvoll sind alte Eichenbäume. Viele Tierarten sind im Nahrungsgefüge eng an die Eichen gebunden.

Alte Bäume dienen als Nahrung und Substrat. An den Blättern leben die Raupen vieler Schmetterlinge. An den Stämmen leben Holzpilze, auf der Rinde alter Bäume leben besondere Flechten und Moose. Im Zusammenspiel mit Bakterien zersetzen Pilze schwer zersetzbare Substanzen des Baumes und führen das Holz des Baumes in den Nährstoffkreislauf zurück.

Ein alter Baum ist nicht nur ein bizarres und geheimnisvolles Lebewesen. Er ist ein eigenständiger Lebensraum mit typischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Abbildungen:

1) Bechsteinfledermaus (Abbildung folgt)
2) Buntspecht (Abbildung folgt)

3) Lebensraum Baumhöhle

4) nützliche Hornisse

5) der vom Aussterben bedrohte Heldbock © Roland Suikat

6) alte Bäume – wichtige Lebensräume für Baumpilze
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Infos und Materialien zum Download

Wir stellen die Anleitung zur Baumjagd, Materialien für Kindergärten und Schulen sowie weitere Materialien kostenlos zum Download zur Verfügung. Über Rückmeldungen und Praxiserfahrungen mit den hier vorgestellten Materialien freuen wir uns. Rückmeldungen bitte an Info@baumjagd.de.


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Weiterführende Projekte

Wir möchten alle dazu einladen, sich intensiv und längerfristig mit den alten Bäumen zu beschäftigen. Setzt euch kreativ mit dem Thema auseinander, plant eigene Forscherprojekte und diskutiert Aspekte der Nachhaltigkeit rund um Bäume und ihre Nutzung.


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Zwei schöne Projektbeispiele von Teilnehmern findet ihr unter www.primolo.de/node/5863 und http://www.baumjagd.de/baum/baum-190.

Das Thema „Alter Baum“ ist besonders geeignet, sich mit dem Thema nachhaltige Nutzung von Holz und Rohstoffen auseinandersetzen. Vielleicht habt ihr Interesse, euch mit eurer Schule und einem Baumthema als „Zukunftsschule.SH“ zu bewerben. Informationen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung und zur Bewerbung als Zukunftsschule findet ihr unter www.zukunftsschule.sh

Im Naturpark Schlei bieten Landschaftsführer im Zusammenarbeit mit dem Naturpark Schlei geführte Baumjagd-Veranstaltungen an. Mehr unter www.naturparkschlei.de/de/Projekte/2011/11/Baumjagd.php

BINGO! - Die Umwelt Lotterie Schleswig-Holsteinischer Heimatbund e.V. Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Landesamt fuer Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume - Schleswig-Holstein